Ein gefräßiger Käfer an Kirschlorbeer & Co – der Dickmaulrüssler

20.04.2018 - Nützlingsinformation

Kirschlorbeer, Rhododendren usw. sind in den Gärten vieler Menschen immer öfter vorzufinden. Die immergrünen Grünlinge erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit. Leider ist der Kirschlorbeer nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Dickmaulrüssler sehr beliebt. Der gefurchte Dickmaulrüssler (Othiorynchus sulcatus), ist ein berühmt berüchtigter Schädling. 

Biologie

Der Käfer ist zwischen 8 und 13 mm groß, dunkelgrau und von ovaler Körperform. Er kann (zum Glück!) nicht fliegen und besitzt einen charakteristischen breiten Rüssel.

Der nachtaktive Käfer frisst an den Blättern und verursacht so einen typischen Buchtenfraß an den Blatträndern. Der Blattfraß kann zwar grässlich aussehen, aber eine gesunde und robuste Pflanze stört das nicht weiter. Gravierender können die Schäden, die an den Wurzeln verursacht werden, sein, die Larven des kleinen Ungeheuers knabbern nämlich daran. Dieser Wurzelfraß kann die Pflanze zum Absterben bringen, da die Wurzeln Wasser und Nährstoffe in die Pflanze transportieren. Ein Käfer kann ein bis zwei Jahre alt werden, daher ist seine Bekämpfung schwierig. In Wintergärten, Glashäusern etc. kann er darüber hinaus ohne weiteres überwintern.

Der Wirtspflanzenkreis dieser Käfer ist sehr groß, was ihre Bekämpfung zusätzlich erschwert. Es können rund 150 verschiedene Pflanzenarten befallen werden. Beispiele dafür wären Erdbeeren, Efeu, Geranien, Eiben, Lebensbaum, Erika und Ahorn, um nur einige zu nennen.

Biologische Bekämpfung des Dickmaulrüsslers:

Für eine erfolgreiche Dezimierung des Schädlings ist es wichtig, die Larven des Käfers im Boden zu bekämpfen. Das kann mit Hilfe von Nematoden erfolgen. Nematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die in die Larve des Käfers eindringen und sie in weiterer Folge zum Absterben bringen. Die Nematoden enthalten Bakterien, welche die Larve abtöten. Die Fadenwürmer vermehren sich in der Larve so lange, bis diese aufbricht und die Nematoden die nächste Larve infizieren. Um sich fortbewegen zu können, benötigen diese Tierchen einen Wasserfilm. Wird die Erde zu 

trocken, werden sie immobil, wodurch der Bekämpfungserfolg sehr einschränkt wird. Man sollte also darauf achten, dass das Erdreich für rund 2 Wochen nach der Behandlung gut durchfeuchtet bleibt.

Diese Methode enthält mehrere Vorteile:

Die Nematoden haben eine spezifische Wirkung, das heißt, sie wirken nicht auf sogenannte „Nicht-Ziel-Organismen“ wie Bienen oder Schmetterlinge. Außerdem haben Sie natürlich auch keine Auswirkungen auf den Menschen oder Haustiere wie Hunde oder Katzen, da es sich um insektenpathogene (=nur bei Insekten wird eine Krankheit verursacht) Tiere handelt. Zusätzlich ist die Anwendung sehr unkompliziert: einmal im Wasser aufgelöst, kann man die Nematoden ganz einfach mit Wasser gießen. – Keine Angst übrigens vor den Fadenwürmern: Man erhält eine Packung mit ganz feinem Pulver, in welchem sich die kleinen Würmer in trockenem Zustand befinden.

Aufgrund des Entwicklungszyklus des Käfers ist es wichtig, bei der Ausbringung im richtigen Bekämpfungszeitraum zu liegen. Die besten Erfolge werden erzielt, wenn die Nematoden im April oder Mai und im September noch einmal angewendet werden. Falls der Befall des Käfers sehr stark ist, gibt es außerdem die Möglichkeit, zusätzlich mit Nematop-Käferstopp zu behandeln. Dabei handelt es sich um ein Holzbrett, welches ein Gel enthält. In diesem befinden sich Nematoden einer anderen Art, welche gegen den erwachsenen Käfer wirken. Die Anwendung ist wiederum sehr einfach: das kleine Holzbrett wird einfach zu den befallenen Pflanzen hingelegt. Ein Brett reicht für ca. 10 m² und hat eine Wirkungsdauer von rund 6 Wochen. Der Käfer ist tagsüber inaktiv und nimmt das Brett gerne als Tagesversteck an. Dabei kommt er mit dem Gel in Berührung, die Fadenwürmer dringen über Körperöffnungen ein und infizieren den Käfer, der nach kurzer Zeit abstirbt.

 

Autorin: DI Anna Weißenböck

Bildquellen: Fraßbild und Entwicklungszyklus: Andermatt Biogarten; Käfer: biohelp Garten & Bienen GmbH