Was wühlt in meinem Beet? Maulwurfsgrillen biologisch bekämpfen

14.05.2019 - Nützlingsinformation

Zerwühlte Beete, angeknabberte Wurzeln und Knollen, eingezogene Jungpflanzen und abgestorbene Pflanzen sind typische Symptome eines Maulwurfsgrillenbefalls. Wie diese Tiere leben und was man gegen sie unternehmen kann, erfahren Sie hier.

Der Name „Maulwurfsgrille“ kommt von ihrem charakteristischen Aussehen: Die Tiere, die zur Familie der Heuschrecken zählen, besitzen große Grabschaufeln und leben unterirdisch wie Maulwürfe. Außerdem haben sie die Körperform von großen Grillen und erzeugen ähnliche Laute. In Österreich tritt die Europäische Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) als einzige Art auf. Je nach Region werden diese Tiere auch als „Werren“ oder „Erdwolf“ bezeichnet.

Die Maulwurfsgrillen leben im Erdreich, meist knapp unter der Bodenoberfläche. Sie graben sich ein unterirdisches Tunnelsystem, wobei die Tunnel zwischen 3 und 5 cm breit sind. Die Pflanzenwurzeln, die darin vorkommen, werden zur Seite geschoben oder durchgebissen. Auf diese Weise entstehen im Rasen Risse, die auch zu Stolperfallen werden können. Bevorzugt werden lockere, kultivierte Böden - daher kommen sie oft in Gemüsegärten oder Komposthaufen vor - aber auch lehmige oder torfige Böden sowie Gewässerufer werden von den Schrecken besiedelt.

Maulwurfsgrillen ernähren sich aber nicht nur von Pflanzen, sondern auch von diversen Insektenlarven, die im Boden auftreten (Drahtwürmer, Schneckeneier, Engerlinge, Erdraupen, u.a.). In lockeren, gleichmäßig feuchten Böden mit ausreichendem Beuteangebot kann sich die Maulwurfsgrille sehr stark vermehren und fällt deshalb stärker auf.

Die Larvenstadien der Maulwurfsgrillen ähneln, typisch bei den Heuschrecken, den erwachsenen Tieren im Aussehen und in der Lebensweise. Ausgewachsen sind sie 4-5 cm lang, braun gefärbt und besitzen auffallende Vorderfüße, die als Grabschaufeln dienen, und Flügel. Sie sind deshalb flugfähig, können aber nicht springen wie andere Heuschrecken. Der Kopf wird durch einen starken Chitin-Panzer geschützt, mit dem die Wände der gegrabenen Tunnel verdichtet werden. Die Maulwurfsgrillen sind dämmerungs- und nachtaktiv, besonders im Sommer, daher braucht man manchmal etwas Zeit, um den Schädling überhaupt zu entdecken.

Ihren unterirdischen Lebensraum verlassen sie meist nur zur Paarungszeit im Mai und Juni. Die Weibchen bauen nach der Paarung mehrere taubeneigroße Nester, in die jeweils bis zu 300 Eier gelegt werden. Hinweise für das Vorhandensein von Nestern sind Flecken im Rasen in der Größe eines Tennis- oder Handballs. Die Pflanzen sind an diesen Stellen vertrocknet, da alle Wurzeln durchgebissen wurden. Dies dient der schnelleren Erwärmung des Bodens und des darunterliegenden Nestes. Die Gesamtentwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert bis zu 2,5 Jahre. Die Verbreitung der Maulwurfsgrille ist von Gebiet zu Gebiet verschieden, je nachdem wie stark sie bekämpft wurden.

Biologische Bekämpfungsmöglichkeiten

Man sollte sich immer vor Augen führen, dass Maulwurfsgrillen grundsätzlich nützlich sind. Nur bei erhöhtem Aufkommen fällt ihr Schaden mehr auf als der oft nicht so wahrgenommene Nutzen. Natürliche Feinde wie Vögel, Igel, Maulwürfe und Spitzmäuse helfen die Population unter Kontrolle zu halten. Bei einem Überhandnehmen kann mit einfachen Fallenkonstruktionen gearbeitet werden. Dazu werden Holzbretter hochkant aufgestellt und an den Enden ebenerdig ein Fangbehälter eingegraben. Das kann eine Konservendose oder ein Glas sein. Die Tiere bewegen sich in der Nacht dann entlang des Hindernisses und werden zu den Fallen geleitet, die regelmäßig geleert werden sollten. Auch das Aufspüren und Vernichten der Nester ist eine wirkungsvolle Maßnahme zur Dezimierung der Grillen. Dazu müssen die Grabgänge verfolgt werden. Dort wo ein Gang senkrecht in die Tiefe abzweigt, befindet sich ein Nest.

Eine weitere biologische Maßnahme ist das Ausbringen von insektenpathogenen Nematoden:

Die Nematoden-Art Steinernema carpocapsae (Nemastar* – Pfl.reg.Nr.: 2969) dringt aktiv über Körperöffnungen in die erwachsene Maulwurfsgrille ein, gibt dabei aus ihrem Verdauungstrakt ein Bakterium an den Schädling ab, der diesen schließlich nach einigen Tagen zum Absterben bringt. Tests haben gezeigt, dass diese Wirkung gegenüber den erwachsenen Tieren stärker ist als gegenüber den Jungtieren. Die Ausbringung der Nematoden sollte bevorzugt in die Zeit von Ende April bis Ende Mai fallen, da sie sich zu dieser Zeit gern in den obersten Bodenschichten aufhalten und gut erreichbar sind für die Fadenwürmer. Da die Entwicklung der Maulwurfsgrillen zwei Jahre benötigt und die Nematoden hauptsächlich gegen die erwachsenen Maulwurfsgrillen wirken, sollte die Behandlung in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erfolgen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bekämpfung mit Nematoden:

  • Bodentemperatur über 12°C
  • Abends ausbringen, da die Nematoden UV-empfindlich sind.
  • In Wasser gelöste Nematoden gut einschwemmen (2-4 l Wasser/m²)
  • Nach der Anwendung soll der behandelte Boden für 10-14 Tage feucht gehalten werden.

 

Nemastar* kann zu anderen Zeiten im Jahr auch andere Schädlinge bekämpfen, nämlich die Wiesenschnake oder auch Sumpfschnake Tipula paludosa.

Wiesenschnaken sind weit verbreitet, sie gehören innerhalb der Insekten zu den Zweiflüglern, genauer gesagt zu den Mücken. Die erwachsenen Tiere stellen kein Problem dar, sie stechen nicht und sind auch keine Pflanzenschädlinge. Die Larven allerdings können dem Gras gefährlich werden, da sie nämlich an den Wurzeln fressen. Die Schnaken schlüpfen ab Mitte August aus ihren Puppen im Rasen. Die Weibchen werden sofort begattet und legen ihre Eier flach unter die Grasnarbe. Zwei Wochen später schlüpfen die Larven. Die ersten beiden Larvenstadien entwickeln sich von September bis Oktober. Sie fressen nachts an grünen Pflanzenteilen. Einen sichtbaren Schaden verursachen sie allerdings erst im Frühjahr.

Der Ausbringzeitpunkt der Nematoden gegen Wiesenschnake ist der September (2 Wochen nach Ende des Schnakenfluges). Die wässrige Suspension in den Boden eingießen und danach für ca. 2 Wochen feucht halten. Die Bodentemperatur sollte mindestens 12°C betragen.

Auch hier gilt: Die Nützlinge dringen in die Schnakenlarven ein und sondern in ihnen ein symbiotisches Bakterium ab. Nach 2-3 Tagen stirbt die Larve. Die Nematoden vermehren sich im Schädling und befallen nach etwa 2 Wochen einen neuen lebendigen Wirt.

*Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden! Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformation lesen. Warnhinweise und -symbole in der Gebrauchsanleitung beachten!

Autorin: DI Sabine Pleininger; Bild: © Klaus Schrameyer