Amblon - Eine Raubmilbe gegen Thripse

14.06.2017 - Nützlingsinformation

Drazänenthrips
Drazänenthrips

In der biologischen Kontrolle wird versucht, spezifisch auf Probleme bzw. Schaderreger einzugehen. Im Fall von Thripsen kann man im geschützten Bereich (Innenraum, Glashaus, Wintergarten) mit der Raubmilbe Amblyseius cucumeris behandeln.

Die Thripse

Thripse gehören mittlerweile zum Kreis der Schädlinge, die weltweit verbreitet sind und auch wirtschaftlich eine  Bedeutung haben. Ihre Familie umfasst rund 5.000 Arten, 400 davon kommen in Mitteleuropa vor. Thripse werden aufgrund ihrer Haarfransen an den Flügeln auch „Fransenflügler“ genannt. Sie besitzen eine schmale, längliche Körperform und werden ca. ein bis drei Millimeter groß.  Zum Glück ist nur eine Handvoll der Thripsarten als Schaderreger einzustufen, die bekanntesten sind: der Kalifornische Blütenthrips Frankliniella occidentalis, der Zwiebelthrips Thrips tabaci, und der Drazänenthrips Parthenothrips dracaenae. Einige Entwicklungsstadien  der Thripse findet man auf den Pflanzenblättern, einige auch in der Erde. Die Eier werden auf den Blättern abgelegt, meistens sieht man diese aber gar nicht, da sie unterhalb der obersten Blattschicht liegen. Danach entwickeln sich die weißlich-gelben Larven, die sofort beginnen an den Blättern zu saugen. Dieses Stadium hat, im Gegensatz zu erwachsenen Thripsen, keine Flügel. Am Ende des Larvenstadiums fallen sie auf die Erde, wo sie sich verpuppen, ca. eineinhalb Zentimeter unter der Oberfläche. Die Puppen sind immobil, sie bewegen sich nur, wenn sie gestört werden. Erst bei den ausgewachsenen Tieren sind die beiden Flügelpaare erkennbar. Nur in diesem Stadium ist es möglich, die Art anhand von Form, Farbe und Haarmustern zu erkennen. Die Arterkennung ist für Laien allerdings schwierig und wird von Experten durchgeführt.

Das typische Schadbild bei einem Thripsbefall sind helle bis silbrig-graue Sprenkelungen an den Blättern, verstreuter Blütenstaub in den Blüten, Verformungen und Verwachsungen an Früchten bzw. generelle Wuchshemmung. Ihre Bekämpfung, v.a. eine chemische Behandlung, ist aus verschiedenen Gründen sehr schwierig:

erwachsene Raubmilbe (Quelle: © Koppert Biological Systems)

Die Reproduktionsrate der Thripse ist unter passenden Bedingungen sehr hoch, sie können also in kurzer Zeit viele Nachkommen produzieren. Sie können sich auch asexuell, also ohne Fortpflanzungspartner, weitervermehren, was die ganze Sache für die Schädlinge entsprechend erleichtert. Diese Eigenschaften führen dazu, dass die Tiere sehr leicht Resistenzen gegen verschiedene chemische Wirkstoffe entwickeln. Resistent heißt, dass die Anwendung von chemischen Insektiziden keine Wirkung mehr zeigt.

Was also tun gegen die Schädlinge?

Der Nützling

Die Milben Amblyseius cucumeris sind Räuber, sie fressen also ihre Beute. Wenn sie Thripslarven  gefunden haben, halten sie sie fest und saugen sie aus. Die kleinen Tiere (0,8 bis 1,5 mm lang) können bis zu 6 Larven pro Tag aussaugen. Aufgrund eines Abwehrverhaltens der Beutetiere werden bevorzugt jüngere Thripslarven angegriffen. Auch Blütenpollen oder Spinnmilbeneier können als Nahrung aufgenommen werden. Aus diesem Grund ist in bestimmten Pflanzenkulturen ein frühzeitiger, vorbeugender Einsatz möglich und auch empfehlenswert. Wie bei allen Insekten ist auch bei A. cucumeris die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, die Verfügbarkeit von Nahrung (=Beutetiere) sowie die Pflanzenart ausschlaggebend für die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung und den Bekämpfungserfolg. Beispielsweise etabliert sich die Raubmilbe auf Paprikapflanzen ein bisschen leichter als auf Gurken. Der Entwicklungszyklus der Raubmilbe: Ei – Larve – 2 Nymphenstadien – erwachsenes Tier. Die Entwicklung dauert, abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, zwischen 5 und 15 Tagen. Diese Raubmilbenart sollte man bei sehr schwachem Ausgangsbefall oder überhaupt zur Vorbeugung verwenden.

Die Anwendung

Dieser Nützling ist sehr einfach  in der Handhabung: Die Raubmilben befinden sich in kleinen, mit Kleie gefüllten Säckchen, die auf die betroffenen Pflanzen gehängt werden. Die Nützlinge verlassen dann sukzessive diese Tütchen über eine kleine, vorgestanzte Öffnung. Da sich alle Stadien der Nützlinge in dem Säckchen befinden, also vom Ei bis zum erwachsenen Tier, beträgt der Anwendungszeitraum rund vier Wochen. Auch Kombinationen mit anderen Nützlingen sind nicht nur möglich, sondern zum Teil auch sehr empfehlenswert.

Für weitere Fragen: www.garten-bienen.at oder office@garten-bienen.at

 

 

 

 


Autorinnen: DI Sabine Pleininger und DI Anna Weißenböck

Thrips Foto: biohelp GmbH

Raubmilbe: © Koppert Biological Systems